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Vitamin B12: Wer auf einen Mangel achten sollte

Ein Vitamin-B12-Mangel entwickelt sich oft unbemerkt über Jahre. Wer besonders gefährdet ist, woran man ihn erkennt und wie er behandelt wird.

Vitamin B12 ist ein unscheinbarer Nährstoff mit großer Wirkung: Der Körper braucht es für die Blutbildung, für gesunde Nerven und für die Zellteilung. Ein Mangel entwickelt sich meist schleichend über Jahre und zeigt sich anfangs mit Beschwerden, die man leicht dem Alltag zuschreibt – Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Kribbeln in Händen oder Füßen. Wer weiß, ob er zu einer Risikogruppe gehört, kann rechtzeitig reagieren.

Wofür der Körper Vitamin B12 braucht

Vitamin B12, auch Cobalamin genannt, ist am Stoffwechsel von Fetten und Aminosäuren beteiligt. Zusammen mit Folat ist es wichtig für die Bildung der roten Blutkörperchen, für die Herstellung der Erbsubstanz DNA und für den Abbau von Homocystein. Außerdem trägt es dazu bei, dass Nervenzellen richtig arbeiten.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schätzt, dass Erwachsene ab 15 Jahren – auch ältere Menschen ab 65 – etwa 4,0 Mikrogramm Vitamin B12 pro Tag benötigen. Für Schwangere liegt der Schätzwert bei 4,5 Mikrogramm, für Stillende bei 5,5 Mikrogramm.

In nennenswerten Mengen steckt Vitamin B12 nur in tierischen Lebensmitteln. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt beispielhaft folgende Gehalte pro 100 Gramm:

  • Hering (gekocht): 8,5 µg
  • Rindersteak: 4,4 µg
  • Schweineschnitzel (gebraten): 2,1 µg
  • Hartkäse: 2,0 µg
  • Hühnerei: 1,9 µg (ein mittelgroßes Ei wiegt etwa 60 Gramm)
  • Joghurt: 0,4 µg

Pflanzliche Lebensmittel wie Sauerkraut, Meeresalgen (etwa Nori) oder Shiitake-Pilze enthalten zwar Verbindungen, die Vitamin B12 ähneln. Laut DGE kann der Mensch diese aber nicht verwerten; sie tragen nicht zu einer ausreichenden Versorgung bei.

Der Körper kann Vitamin B12 in großen Mengen speichern. Deshalb fällt ein Mangel oft erst nach Jahren auf.

Wer besonders auf einen Mangel achten sollte

Bei den meisten Menschen, die regelmäßig Fleisch, Fisch, Eier oder Milchprodukte essen, reicht die Zufuhr über die Nahrung. Es gibt jedoch Gruppen, bei denen das Risiko deutlich höher ist.

Menschen, die sich vegan ernähren

Wer ganz auf tierische Lebensmittel verzichtet, nimmt mit der Nahrung praktisch kein verwertbares Vitamin B12 auf. Die DGE hält für Menschen, die sich vegan ernähren oder nur sehr wenig tierische Lebensmittel essen, die Einnahme eines Vitamin-B12-Präparats für notwendig. Auch bei vegetarischer Ernährung kann die Versorgung knapp werden. Da die Speicher des Körpers laut dem britischen Gesundheitsdienst NHS zwei bis fünf Jahre reichen können, macht sich ein Mangel nach einer Ernährungsumstellung oft erst spät bemerkbar.

Ältere Menschen

Das BfR zählt ältere Menschen ausdrücklich zu den Risikogruppen. Der Grund liegt meist nicht im Essen, sondern in der Aufnahme: Vitamin B12 muss im Magen mithilfe von Magensäure aus der Nahrung gelöst werden und braucht anschließend ein Transporteiweiß aus der Magenschleimhaut, den sogenannten Intrinsic Factor, um im Darm aufgenommen zu werden. Mit den Jahren lässt diese Leistung bei vielen Menschen nach.

Menschen mit bestimmten Erkrankungen

Die häufigste Ursache eines Vitamin-B12-Mangels in Großbritannien ist laut NHS die perniziöse Anämie. Bei dieser Autoimmunerkrankung greift das Immunsystem die Zellen der Magenschleimhaut an, die den Intrinsic Factor bilden. Sie tritt gehäuft bei Frauen um das 60. Lebensjahr auf, bei familiärer Vorbelastung sowie bei Menschen mit anderen Autoimmunerkrankungen. Auch nach einer teilweisen Entfernung des Magens und bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn ist das Risiko erhöht.

Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen

Einige verbreitete Arzneimittel können den Vitamin-B12-Spiegel senken. Der NHS nennt Magensäureblocker aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer, das Diabetesmedikament Metformin sowie Lachgas. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Advances in Nutrition kam zu dem Ergebnis, dass Protonenpumpenhemmer, H2-Blocker und Metformin die Blutwerte senken können. Ob daraus bei allen Betroffenen tatsächlich ein Mangel mit Beschwerden entsteht, ist nach Einschätzung der Autoren aber noch unklar. Wer solche Medikamente über längere Zeit einnimmt, sollte das Thema daher einfach bei der nächsten Kontrolle in der Hausarztpraxis ansprechen – und die Medikamente keinesfalls eigenmächtig absetzen.

Typische Anzeichen eines Mangels

Die Beschwerden entwickeln sich in der Regel langsam und können sich ohne Behandlung verschlimmern. Laut NHS gehören dazu unter anderem:

  • Allgemeine Zeichen: Müdigkeit und Schwäche, Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Herzklopfen, Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Sehstörungen
  • Zunge und Mund: eine wunde oder gerötete Zunge, manchmal mit Geschwüren im Mund
  • Nerven: Taubheitsgefühle und Kribbeln, Muskelschwäche, Probleme mit Gleichgewicht und Koordination
  • Psyche und Gedächtnis: Probleme mit Gedächtnis, Verständnis und Urteilsvermögen, von leichter Niedergeschlagenheit oder Ängstlichkeit bis hin zu Verwirrtheit

Wichtig: Einige dieser Beschwerden können auftreten, ohne dass bereits eine Blutarmut besteht. Ein unauffälliges Blutbild schließt einen Mangel daher nicht sicher aus. Gerade bei älteren Menschen werden Vergesslichkeit, Gangunsicherheit oder Erschöpfung zudem leicht als normale Alterserscheinung abgetan.

Abklärung und Behandlung

Ob ein Mangel vorliegt, lässt sich mit einer Blutuntersuchung klären. Häufig kann die Ärztin oder der Arzt die Diagnose aus den Beschwerden und den Laborwerten stellen. Wichtig ist auch die Frage nach der Ursache: Liegt es an der Ernährung oder an einer gestörten Aufnahme? Davon hängt ab, welche Behandlung sinnvoll ist.

Ist die Ernährung der Grund, reichen nach Angaben des NHS oft Tabletten. Bei einer Aufnahmestörung wie der perniziösen Anämie wird Vitamin B12 meist gespritzt, häufig lebenslang alle zwei bis drei Monate.

Lange galt die Spritze als Standard. Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2018 mit drei kleineren Studien und insgesamt 153 Teilnehmenden deutet jedoch darauf hin, dass hoch dosierte Tabletten ähnlich gut wirken können – allerdings ist die Aussagekraft der Daten gering. Eine spanische Studie mit 283 Menschen über 65 Jahren fand nach 8, 26 und 52 Wochen keinen bedeutsamen Unterschied zwischen beiden Wegen, was die Normalisierung der Blutwerte angeht. Welche Form im Einzelfall passt, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Ein Punkt verdient besondere Beachtung: Folsäure kann die Blutbildveränderungen eines Vitamin-B12-Mangels so weit bessern, dass der Mangel verdeckt wird, während er die Nerven weiter schädigt. Deshalb wird vor einer Behandlung mit Folsäure in der Regel geprüft, ob die Vitamin-B12-Werte im Normbereich liegen.

Wann zum Arzt?

Lassen Sie Ihre Werte ärztlich überprüfen, wenn Sie länger anhaltend müde und erschöpft sind, Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Händen oder Füßen bemerken, unsicherer gehen, eine wunde Zunge haben oder Ihnen Gedächtnisprobleme auffallen. Das gilt besonders, wenn Sie sich vegan ernähren, älter sind, eine Magen- oder Darmerkrankung haben oder dauerhaft Magensäureblocker oder Metformin einnehmen. Zögern Sie nicht zu lange: Laut NHS können manche Folgen eines unbehandelten Mangels dauerhaft bleiben – je länger er besteht, desto größer ist dieses Risiko.

Quellen

Ratgeber & Studienlage

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, Medikamente einnehmen, schwanger sind oder eine Nahrungsergänzung beginnen möchten, sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.

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