Kaum steigt im Herbst die Heizung an, melden sich bei vielen Menschen dieselben Zeichen: Die Haut spannt nach dem Duschen, die Schienbeine jucken, an den Händen bilden sich feine Risse. Trockene Haut ist weit verbreitet. Schätzungen zufolge betrifft sie in Deutschland rund zehn Millionen Menschen pro Jahr, etwa jeden dritten berufstätigen Erwachsenen. Die gute Nachricht: Mit ein paar Veränderungen in der täglichen Pflege lässt sich meist viel erreichen.
Was die Hautbarriere leistet
Die oberste Hautschicht, die Hornschicht, funktioniert ähnlich wie eine Mauer: Die Hornzellen sind die Steine, eine Schicht aus Fetten zwischen ihnen ist der Mörtel. Zusätzlich enthalten die Zellen sogenannte Feuchthaltefaktoren, die Wasser binden. Solange dieses System intakt ist, verdunstet wenig Feuchtigkeit, und Reizstoffe oder Keime dringen kaum ein.
Bei trockener Haut gerät dieses Gleichgewicht durcheinander. Die Haut bildet zu wenig Fette und feuchtigkeitsbindende Stoffe, die Barriere bekommt Lücken. Typische Folgen sind ein Spannungsgefühl, Rauheit, feine Schuppen, Rötungen, kleine Risse und Juckreiz. Besonders anfällig sind Gesicht, Hände, Unterarme, Ellenbogen, Schienbeine und Füße.
Trockene Haut ist mehr als ein Schönheitsthema: Eine geschwächte Barriere lässt Reizstoffe und Keime leichter eindringen.
Warum der Winter der Haut zusetzt
Im Winter kommen mehrere Belastungen zusammen. Draußen sorgen Kälte und Wind dafür, dass die Haut weniger Talg bildet und schneller Feuchtigkeit verliert. Drinnen ist die Heizungsluft oft sehr trocken. Der ständige Wechsel zwischen kalter Außenluft und warmen Räumen strapaziert die Haut zusätzlich.
Hinzu kommen Gewohnheiten, die in der kalten Jahreszeit besonders verlockend sind: lange, heiße Duschen und ausgiebige Vollbäder. Sie lösen Fette aus der Hornschicht und trocknen die Haut weiter aus. Auch alkalische Seifen und häufiges Händewaschen mit aggressiven Reinigungsmitteln schwächen die Barriere.
Nicht alle Ursachen liegen außen. Mit zunehmendem Alter bildet die Haut weniger Fett und Feuchthaltefaktoren, auch hormonelle Veränderungen wie in den Wechseljahren spielen eine Rolle. Rauchen, zu wenig Flüssigkeit und Stress können den Hautzustand ebenfalls verschlechtern. Und manchmal steckt eine Erkrankung oder ein Medikament dahinter – dazu mehr im Kasten unten.
Die richtige Pflege: feucht halten und Fett zurückgeben
Gute Pflege für trockene Haut verfolgt zwei Ziele zugleich: Sie bringt Feuchtigkeit in die Hornschicht und hilft, sie dort zu halten. Fachleute unterscheiden dabei grob drei Gruppen von Inhaltsstoffen:
- Feuchtigkeitsbinder wie Glycerin oder Urea (Harnstoff) erhöhen die Menge an Feuchthaltefaktoren und binden Wasser in der obersten Hautschicht.
- Rückfettende Stoffe wie Ceramide, Cholesterin, freie Fettsäuren oder Bestandteile pflanzlicher Öle füllen die Fettschicht zwischen den Hornzellen wieder auf.
- Filmbildner wie Vaseline, Paraffin oder Wachse legen sich als Schutzfilm auf die Haut und bremsen die Verdunstung.
Eine aktuelle Übersichtsarbeit, die zahlreiche klinische Studien zu einfachen Pflegecremes ausgewertet hat, kommt zu einem klaren Ergebnis: Die meisten dieser Basispflegeprodukte verbessern trockene Haut messbar und sind gut verträglich. Am besten schnitten Kombinationen ab, die einen Feuchtigkeitsbinder mit einem Filmbildner verbinden – etwa Glycerin zusammen mit Vaseline. Ebenso wichtig war ein zweiter Befund: Wer die Pflege wieder absetzt, bei dem kehrt die Trockenheit häufig zurück. Regelmäßigkeit zählt also mehr als das teuerste Produkt.
Für die Auswahl im Alltag gilt: Je trockener die Haut, desto reichhaltiger darf die Creme sein. Für den Körper eignen sich im Winter oft Lotionen oder Cremes mit etwas höherem Fettanteil, für das Gesicht leichtere Texturen. Wer empfindlich reagiert, greift am besten zu Produkten ohne Duftstoffe.
Kleine Gewohnheiten mit großer Wirkung
Viele wirksame Maßnahmen kosten nichts. Das Gesundheitsportal des Bundes empfiehlt bei trockener Haut unter anderem:
- Kürzer und weniger heiß duschen: Ein Vollbad sollte nicht länger als etwa fünf Minuten dauern. Lauwarmes Wasser schont die Hautfette.
- Mild reinigen: Milde, nicht alkalische Waschprodukte und rückfettende Badezusätze verwenden, möglichst ohne Duftstoffe.
- Richtig abtrocknen und eincremen: Die Haut nach dem Duschen gut abtrocknen, denn verdunstende Restfeuchte trocknet zusätzlich aus. Danach direkt eincremen.
- Hände schützen: Bei Hausarbeit Handschuhe mit Baumwollfutter tragen und draußen bei Kälte an Handschuhe denken.
- Kleidung bewusst wählen: Locker sitzende Kleidung aus Baumwolle reizt die Haut weniger als kratzige Stoffe.
- Von innen unterstützen: Ausreichend trinken, ausgewogen essen und auf Rauchen verzichten.
Hilfreich kann es auch sein, auf das Raumklima zu achten: Regelmäßiges Stoßlüften und eine nicht zu hoch eingestellte Heizung verhindern, dass die Luft in der Wohnung allzu trocken wird.
Wann zum Arzt?
Lassen Sie trockene Haut ärztlich abklären, wenn sie sich trotz guter Pflege nicht bessert, wenn starker Juckreiz, Schmerzen, nässende oder entzündete Stellen auftreten oder ein neuer Ausschlag entsteht. Gleiches gilt, wenn zusätzlich Beschwerden wie großer Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust, Haarausfall oder Fieber hinzukommen. Trockene Haut kann Begleiterscheinung von Erkrankungen etwa der Schilddrüse, der Nieren oder von Diabetes sein und auch als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten, zum Beispiel von Kortison, entwässernden Mitteln oder Cholesterinsenkern.
Quellen
- Gesundheitsportal des Bundes (gesund.bund.de): Trockene Haut: Woher kommt sie und was kann man dagegen tun?
- Wollenberg A., Barbarot S., Torrelo A.: Basic Emollients for Xerosis Cutis in Atopic Dermatitis: A Review of Clinical Studies. International Journal of Dermatology, 2025.
- Szepietowski J., Tadini G.: Basic Emollients for Xerosis Cutis Not Associated With Atopic Dermatitis: A Review of Clinical Studies. International Journal of Dermatology, 2025.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, Medikamente einnehmen, schwanger sind oder eine Nahrungsergänzung beginnen möchten, sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.




